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Martin

Martin
Martin wurde um 316, im heutigen Szombathely (Steinamanger) nahe der burgenländisch-ungarischen Grenze geboren, diente zunächst als römischer Soldat, ließ sich taufen und starb als Bischof von Tours 397. Der Überlieferung nach teilte er während seiner Soldatenzeit am Stadttor von Amiens seinen Mantel mit einem frierenden Bettler.

MARTINSGANSL
Der Martinstag galt als besonders geeigneter Termin für Dienstbotenwechsel, stand er doch am Anfang der neuen agrarischen Arbeitsperiode und am Ende des alten bäuerlichen Wirtschaftsjahres mit Naturalabgaben, zu denen immer wieder gemästete Gänse zählten. Mit Martini begann die sechswöchige gallische Adventfastenzeit (bis 6. Jänner), vor der nochmals mit einem üppigen Mahl gefeiert wurde. Das bedeutete auch Gänsebraten. Die Verbindung vom geschätzten Federvieh zum hl. Martin stellte man mit einer Fassung der Legende her, in der Martin das Bischofsamt nicht annehmen wollte, sein Versteck im Stall aber vom Geschnatter der Gänse verraten wurde. Die Gänse büßen nun alljährlich dafür. (Eine Bauernregel besagt: Zu Martini geht der Ganstod um.) Der wirtschaftliche Hintergrund ist ein anderer: die Bauern hielten sich bis in den Spätherbst wegen der Federn Gänse, konnten und wollten sie aber nicht den Winter über durchfüttern.

MARTINSKIPFERL
Charakteristisch für Fastenzeiten sind Gebäcke wie Brezen und Kipferl, die im Fall von Martinskipferln unter dem Motto "teile wie der hl. Martin seinen Mantel" bei den Laternenumzügen verteilt werden.

FASCHINGSBEGINN
Auf Grund des Zahlenspiels gilt mancherorts der 11.11., 11 Uhr 11 Minuten als Faschingsbeginn, meist aber die Silvesternacht.

"WOLFABLASSEN" in Klaffer
Mit Martini endete die Weidezeit, das Vieh wurde" eingetrieben". In diesem Zusammenhang und in der Verbindung mit Hirtenbrauchtum ist wohl das "Wolfablassen" zu sehen, das heute nur mehr in Klaffer im Mühlviertel anzutreffen ist.

LATERNENUMZUG
Sein Fest wird am 11. November begangen und zwar vor allem von Kinder(gärte)n in Form von Laternenumzügen, oftmals verbunden mit einem Martinsspiel, in jedem Fall mit Liedern. Eine besondere Blüte erlebten die Umzüge in der Heimat des Reformators Martin Luther, dessen Geburtstag am 10.11. (1483) und Taufe am 11. 11. gedacht wurde. 1866 ist der erste Martinsumzug mit Kerzen, ausgehöhlten Kürbissen und Laternen in Düsseldorf belegt. Von Norddeutschland breitete sich der Brauch Mitte der 50er Jahre unseres Jahrhunderts in den Süden aus.

Auszug aus dem Buch "Zwischen Aperschnalzen und Zwetschkenkrampus - Oberösterreichische Bräuche im Jahreskreis" von Andrea Euler-Rolle; erschienen im Landesverlag, ISBN 3-85214-591-0




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