Erntedankfest

Das Hauptrequisit des Erntedankfestes, die Erntekrone, könnte als kirchliche "Leihgabe" aus weltlichen Arbeitsbräuchen gesehen werden. Sie bildet erst seit den 30er Jahren das Standessymbol der Bauern. Davor gab es keine kirchlichen Feiern, wohl aber beim Abschluß der harten Erntearbeiten die Überreichung eines (Getreide-) Kranzes durch die ErntearbeiterInnen an den Gutsbesitzer quasi als Aufforderung, ein Schnittermahl (Maschintanz, Abdreschmahl ... ) auszurichten.
"Die weltlichen Erntedankfeste, die sich in Oberösterreich erst seit 1935/36 eingebürgert und seitdem zu immer großartigeren Formen entwickelt haben, wurden auch nach dem Kriege wieder aufgenommen und häufig mit den kirchlichen Feiern verbunden. Regelmäßig wird dabei die in Oberösterreich ebenfalls junge Erntekrone, oft verziert durch das (aus Stroh geformte) Erniesinnbild des Hahnes, in stattlichem Umzug, geleitet von den Wagen voll schöner Feldfrüchte, von Trachten- und Musikaufzügen, durch die Straßen geführt.
Stets sind mit dem Erntefest auch größere landwirtschaftliche Ausstellungen, Märkte und die Aufrichtung von Belustigungsständen verbunden, sodass der feierlich schöne Erntedank überall in ein die ganze Bevölkerung erfassendes Freudenfest ausklingt."
Burgstaller, 1948
Von diesen weltlichen Feiern hat sich meistens nur die vier- (oder sechs-)bogige Bügelkrone erhalten, die in einer Prozession als Teil des kirchlichen Erntedankfestes mitgetragen wird.
"So feiert man an einem Sonntag im Herbst das Erntedankfest: Mittelpunkt des Festzuges und des Kirchenschmuckes ist die mit Getreide und Latschen gebundene Erntekrone. Viel reifes Obst und Gemüse, aber auch Körbe mit Blumen runden das Bild des Erntedankes ab.
Beim Festzug, der anläßlich des Erntedankes vom Pfarrhof zum großen Seilbahnparkplatz und zurück zur Kirche führt, gehen vorneweg die Trachtenmusikkapelle, dann die Kindergartenkinder mit einem dem Fest entsprechenden Gesteck, die Schulkinder und die Jägerschaft, die einen in den letzten Tagen erlegten (meist ist es ein prächtiger Kronen-) Hirsch mitführt. Die Bauern und Bäuerinnen , gefolgt von den Jungbauern, die die Erntekrone tragen, der Hr. Pfarrer mit den Ministranten und die Gemeindeabordnung sind die nächsten. Es folgen die Kinder der Goldhaubengruppe, die Kopftuchfrauen, die Trägerinnen der Stodertaler Huttracht und die Goldhaubenfrauen. (Diese tragen an diesem Tag ein kleines Ährenbüscherl). Zwischen den einzelnen Gruppen gehen immer wieder Kinder, die Obst-, Gemüse- oder Blumenkörbchen tragen."
Erika Neulinger, Hinterstoder, 1992
Auszug aus dem Buch "Zwischen Aperschnalzen und Zwetschkenkrampus - Oberösterreichische Bräuche im Jahreskreis" von Andrea Euler-Rolle; erschienen im Landesverlag, ISBN 3-85214-591-0




