Gründonnerstag

FUSSWASCHUNG
Fußwaschungen sind nicht nur aus der Bibel (Joh 13,1 - 15) bekannt, sondern zählten bereits im 7. jh. zu gottesdienstlichen Handlungen. In klösterlichen Gemeinschaften und unabhängig vom Gründonnerstag wurde die kirchliche Zeremonie unter dem Einfluß der Jesuiten im 17. Jh. zu einem großen religiösen Schauspiel ausgebaut.
GRÜNSPEISEN
Fälschlicherweise leitete man von der Bezeichnung "Gründonnerstag" einen Zusammenhang mit dem beginnenden Frühling, dem keimenden Grün der Natur, ab, sodaß an diesem Tag vielfach Grünspeisen auf den Tisch kommen: Vogerlsalat, Spinat, Brunnenkresse, Kräutersuppe.
RATSCHEN
Ab dem Gloria des Gründonnerstag-Amtes schweigen die Kirchenglocken, die Orgel und die Glocken der Ministranten aus Trauer über den Tod Jesu. Nach dem Volksglauben sind sie nach Rom geflogen und kehren erst zur Auferstehungsfeier am Karsamstag zurück.
Waren früher Ministranten unterwegs als Ratscherbuben, so hat sich das Bild heute gewandelt: Auch Mädchen ratschen und selbst Trachtenvereine nehmen sich dieses Brauchs an.
Ratscherspruch: "Wir ratschen, wir ratschen zum englischen Gruß, damit ein jeder Christ beten muss. Fallet nieder auf eure Knie, betet ein Vaterunser, drei Ave Marie."
Heute beinahe vergessen ist der volkstümliche Name "Antlasspfinzta" von Antlass = Entlassung (der Täuflinge aus der Kirchenbuße) und Pfinzt = 5. Tag der Woche, also Donnerstag.
Mit dem Gründonnerstag endet die 40tägige Fastenzeit und es beginnt das österliche Triduum sacrum, die drei heiligen Tage. Durch die seit dem 14. Jh. bereits am Vormittag des Karsamstag abgehaltenen Auferstehungsmessen zählte auch schon der Gründonnerstag zu den drei heiligen Tagen, da der Vorabend immer mitgerechnet wird.
Am Gründonnerstag wird die Weihe der hl. Öle vorgenommen: Chrisam, Krankenöl und Katechumenöl für Taufen, Firmung, Krankensalbung und Priesterweihe, wie sie bereits bei den Taufen in der Osternacht benötigt wurden.
Den am Gründonnerstag gelegten Eiern -"Antlasseiern" - werden besondere Kräfte beigemessen. Meistens bleiben sie ungefärbt und schützen, nach der Weihe zwischen die Dachsparren oder ins Fenster gelegt oder im Garten vergraben, das Haus vor Blitzschlag, Brand, Hochwasser und Hagel.
Auszug aus dem Buch "Zwischen Aperschnalzen und Zwetschkenkrampus - Oberösterreichische Bräuche im Jahreskreis" von Andrea Euler-Rolle; erschienen im Landesverlag, ISBN 3-85214-591-0




