Liebstattsonntag

Am 19. Dezember 1641 begründete der damals für Gmunden zuständige Passauer Bischof Leopold Wilhelm einen ganz eigenen Brauch in Gmunden.
Historisch gesehen handelte es sich um die Bestätigung der sogenannten „Corpus-Christi-Bruderschaft“, die durch ihr Auftreten eine neuerliche Vertiefung des religiösen Lebens in der Stadt bewirken sollte. Wichtigstes Ereignis war dabei das Gelöbnis der brüderlichen Liebe, was unter dem Ausdruck „Lieb b’statten“ geschah. Davon bekam der Mittfastensonntag seinen schönen Namen.
Das Volksverständnis machte aus dem „Lieb b’statten“ bald ein „Liebe abstatten“. Das äußerte sich zeitweilig als karitative Geste, gleichzeitig aber spielten Herzen und Met bereits damals eine große Rolle.
Der Liebstattsonntag hielt sich bis in unsere Zeit lebendig: Ein festlicher Sonntag mitten in der Fastenzeit, der mit dem feierlichen Kirchgang in schöner Gmundner Tracht begonnen wird und dann in einem fröhlichen Verschenken von spruchgezierten Lebzelten gipfelt. Den wahren Grund für all das Tun weiß das Volk: Gegen jede Art von Schmerz hilft ein echtes Liebstattherz – drum war dieses auch in Gmunden vor Jahrhunderten erfunden.
Auszug aus dem Buch "Zwischen Aperschnalzen und Zwetschkenkrampus - Oberösterreichische Bräuche im Jahreskreis" von Andrea Euler-Rolle; erschienen im Landesverlag, ISBN 3-85214-591-0
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