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Advent

Advent
Mit dem vom lat. "adventus" (= Ankunft des Herrn) abgeleiteten Begriff bezeichnet man die Vorbereitungszeit auf die Geburt Christi, die mit jenem Sonntag beginnt, der dem 30. November zunächst liegt.


ADVENTKRANZ
Es ist nocht keine 100 Jahre her, daß der Reisigkranz mit seinen vier Kerzen als Symbol für die vier Adventsonntage in Österreich Einzug gehalten hat. Ursprünglich kannte man in Deutschland grüne Zweige, Kerzen, Kränze, aber zusammenhanglos und ohne Verbindung zu Weihnachten. Diesen stellte angeblich erst Johann Hinrich Wichern (1808-1881), der Begründer der Inneren Mission her, der angesichts des Kinderelends seiner Zeit das"Rauhe Haus" in Hamburg errichtete. Dort wurde während der Adventandacht täglich auf dem großen Kronleuchter eine neue Kerze entzündet. Vom protestantischen Norden erfolgte dann auch in den katholischen Süden und über Kirchen, Schulen, die NSDAP und in Österreich lebende Deutsche vor allem bis 1945 eine rasante Verbreitung. Eine wesentliche Rolle kam dabei der Jugendbewegung zu, die unabhängig von Konfessionen auf Grund ihrer romantisierenden Naturvorstellungen bereits nach dem 1. Weltkrieg Adventkränze aufgehängt hatte. In Linz und anderen Städten kann man erst nach dem 2. Weltkrieg von allgemeiner Verbreitung sprechen. Nicht lange danach gab es auch eigene Segnungen des Adventkranzes bzw. der Kerzen meist am Vorabend des 1. Adventsonntags.
Neben den grünen Nadelkränzen gewinnen in den letzten Jahren Strohkränze oder solche aus haltbaren Bestandteilen (z. B. Zapfen) einerseits und Adventgestecke mit Kerzen andererseits zunehmend an Bedeutung. Vor allem letztere sind oft für Gräber vorgesehen.

RORATEMESSEN
In der Vorweihnachtszeit werden zu Ehren der Gottesmutter Maria zu früher Morgenstunde Votivmessen abgehalten, die man wegen des dabei gesungenen Lieds "Tauet Himmel den Gerechten" (auf lateinisch "Rorate coeli de super et nubes pluant justum") auch Roratemessen nennt.

ADVENTBLASEN
So wie in vielen oö. Orten zu Weihnachten, Silvester und Dreikönig ein Turmblasen stattfindet, wird vor allem in den Städten in der Vorweihnachtszeit ein "Adventblasen" veranstaltet.

ADVENTSINGEN
Inzwischen gibt es neben zahlreichen regionalen Veranstaltungen aber auch einige Adventsingen, zu denen aus ganz Oberösterreich busweise Interessierte ins Linzer Brucknerhaus anreisen und die trotz ihrer Herleitung von der Salzburger Großveranstaltung im Festspielhaus, die auf Tobi Reiser zurückgeht, eigene Züge entwickelt haben.

ADVENTFEIERN
Da Weihnachten das typische Fest der Familie, aber auch des Friedens und der Harmonie ist, finden Weihnachtsfeiern in sämtlichen Büros, Betrieben, Krankenhäusern, Altersheimen, Kasernen und Vereinen statt. Allerdings wäre die Bezeichnung "Adventfeier", wie sie ohnehin ebenfalls existiert, zutreffender, da die jeweiligen Feiern nie nach dem 23.12. abgehalten werden. Zum Programmablauf gehört meistens ein gemeinsames Essen in einem Lokal und eine Dankansprache des Vorgesetzten, Verbandsobmanns o.ä.

Ähnlich wie die Fastenzeit vor Ostern galt die bei den Römern vierwöchige Adventzeit als Bußzeit vor Weihnachten. Deshalb trugen die Priester bußfarbene violette Meßgewänder mit Ausnahme des dritten Sonntags, wo die liturgische Farbe (im Zeichen der Vorfreude) rosa ist. Daran knüpfen des öfteren die Farben der Adventkerzen an.

ADVENTKALENDER
Erst 84 Jahre sind seit dem Druck des ersten Adventkalenders "Im Land des Christkinds" in München im Jahr 1908 vergangen. In diesem Jahr stellte der 1881 als Sohn eines Pfarrers in Maulbronn geborene Gerhard Lang als Teilhaber einer lithographischen Anstalt einen "Weihnachtskalender" her, der noch keine Türchen zu öffnen hatte, sondern aus zwei Teilen bestand: einem bedruckten Karton mit 24 numerierten Feldern, in denen Verse standen und einem Blatt mit einzelnen Bildern, von denen täglich eines ausgeschnitten und aufgeklebt wurde, bis am 24. Dezember alle Verse mit Engel-, Christkind- und Spielzeugmotiven bedeckt waren. Natürlich gab es Vorläufer: Schon ab der Mitte des 19. Jahrhunderts bastelten Eltern Zählhilfen für die lange Wartezeit vor Weihnachten, durfte ab dem 1. Dezember einer der 24 auf die Tür gemalten Kreidestriche gelöscht werden, wurde in katholischen Schulen jeden Tag ein Strohhalm in die leere Krippe gelegt oder Kerben für gute Taten in sogenannte "Klausenhölzer" geschnitzt. Was die Eltern als wirtschaftliche Rechnungshölzer benutzten, formten sich die Kinder zu frommen Kerbhölzern um. Mit solchen Zeichen konnte dann das Wohlverhalten der Kinder gesteuert werden.

In den 50er Jahren erobern die nur zu einem sehr geringen Teil mit religiösen Motiven versehenen Kalender auch den österreichischen Markt. Die Motive sind völlig zeitlos, jeder Bezug zur Gegenwart fehlt, selbst Donald Duck als Weihnachtsmann oder die Schlümpfe als Engerln sind nur Ausnahmeerscheinungen. Da begeistern eher mit Schokolade gefüllte, Weihnachtslieder spielende oder aus mit kleinen Geschenken gefüllte Säckchen bestehende Adventkalender.

Auszug aus dem Buch "Zwischen Aperschnalzen und Zwetschkenkrampus - Oberösterreichische Bräuche im Jahreskreis" von Andrea Euler-Rolle; erschienen im Landesverlag, ISBN 3-85214-591-0




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