01Villa Seilern Vital Resort, Bad Ischl2005-2008
Tänzlgasse 11, 4820 Bad Ischl, A Architekten Scheicher "Kaiserliche Wellness"
Wo schon Josef Strauß und Alexander Girardi die illustre Gästeschar der Gräfin Seilern unterhielten, kann auch heute das Publikum seine Sommerfrische genießen. Im Zuge der Adaptierung in ein Viersternehotel wurde die klassizistische Salzkammergut-Villa aus 1881 durch einen Neubau ergänzt, der sie wie ein Juwel fasst. Immer wieder wird von dort aus der historische Kern überraschend und spielerisch ins Blickfeld gerückt und ist damit im gesamten Resort präsent.
Im Innenleben des Hauses wird humorvoll und spielerisch mit dem "kaiserlichen" Lokalkolorit kokettiert. In den Zimmern gelingt der Beweis, dass heimische Zirbe auch ohne rustikale Schnitz-Exzesse ihre stofflichen Qualitäten in der Tourismusarchitektur entfalten kann.
02La Muhr Weinhandel und Cateringgesellschaft2006-2007
Linzer Straße 142, 4810 Gmunden, A Rüdiger Fritz "Fitness im Genießerland"
Mit diesem Bauwerk dringt der Holzbau in das Neuland der von Keller- und Massivbauten dominierten Hallen einer (geheiligten) vielfach inszenierten Welt der Weinkultur vor. Und er macht gute Figur! Der Verkaufs- und Degustationsraum einer Weinhandel- und Cateringgesellschaft am Rande des (traditionell holzbaudominierten Salzkammergutes) entfaltet alle atmosphärischen Tugenden die dem Holzbau eigen sind. Der in seiner Form und Konstruktion schlichte Anbau bietet außen, über wechselnde Schalungsbretter, ein subtiles, rhythmisiertes Fassadenspiel. Innen geben dunkel gefärbte OSB-Platten jenen nobel-neutralen Hintergrund, welcher der Wirkung des (ästhetischen) Warenangebots den Vortritt lässt. Eichenholz an Boden und Decke: eine Stimmung von Wärme und Behaglichkeit, von Kultur des Bauens und Genießens. (RG)
03Pfarrkirche St. Laurentius, Kirchham1991-1998
Kirchham 46, 4656 Kirchham, A Friedrich Kurrent "Seite an Seite"
Die spätgotische Kirche war ein Kleinod, aber eben zu klein. Der ihr zur Seite gestellte - von außen eher profan wirkende - Neubau fügt sich fast "provozierend unauffällig" (Zitat: Friedrich Achleitner) ins Dorf. Erst im Eintreten aus der transparenten Eingangszone wird hier ein sakraler Raum erlebbar, der von der warmen Oberflächenstruktur unverputzten Ziegelmauerwerks und der bewusst inszenierten Lichtführung bestimmt wird. Die alte Kirche übernimmt nun die Funktion als Wochentagskapelle sowie als besonderer Raum für Hochzeiten und Taufen.
04Musikheim und Jugendzentrum Kitzmantel, Vorchdorf
Laudachweg 15, 4655 Vorchdorf, A Luger & Maul "jam session"
Dass sich ehemalige Fabrikanlagen vorzüglich für kulturelle Zwecke eignen, ist schon mehrfach bewiesen worden. Auch diese ehemalige Gerberei und Schuhproduktion wurde, nach anfänglicher ebenso ambitionierter wie improvisierter Bespielung durch den lokalen Kulturverein, entsprechend adaptiert. In mehreren Etappen wurde der Bestand von früheren Einbauten und "Sondermüll" befreit und ? wo notwendig ? ergänzt. Wobei die neuen Bauteile bewusst als Interventionen der Gegenwart gestaltet sind und sich in der Materialsprache an der Rauheit von Industriearchitektur orientieren.
05Galerie 422, Gmunden
An der Traunbrücke 9, 4810 Gmunden, A Karl Odorizzi "Brückenkopf der Kunst"
Historische Substanz, schlechter Bauzustand und noch dazu kräftige Niveauunterschiede zwischen den beiden ursprünglichen Gebäuden - übliche Voraussetzungen für Projekte im Altstadt-Gefüge, aber keine unüberwindlichen Hindernisse für eine engagierte Bauherrin, die vom Standort überzeugt ist und ihre aus der Kunst-Szene nicht mehr wegzudenkende Galerie auch noch nach der örtlichen Adria-Kote benennt. Als jüngster Bau im Ensemble hat das später erworbene Eckgebäude durch eine textile Intervention von Peter Kogler "Gesicht" erhalten: Der semitransparent vorgespannte Schirm, signalisiert den Inhalt nach außen und tritt in einen sachlichen, unaufgeregten Dialog mit dem Sgraffito-Haus in der Linzerstraße.
06Forstverwaltung, Ebensee
Steinkogelstraße 25, 4802 Ebensee, A F2 Architekten "Boden-Stämmig"
Einer symphonischen Dichtung gleich widmet sich das neue Verwaltungsgebäude der Österreichischen Bundesforste AG von Konstruktion bis ins Innenleben durchgängig dem Thema Holz (das Material ist hier ja Pflicht). Runde Stützen, die "Stämme", tragen ein weit auskragendes Dach, unter dessen "Blätterschirm" sich die Büroräume wie "Hütten" um eine kleine Waldlichtung, sprich den Innenhof, gruppieren. So lyrisch diese Beschreibung klingen mag, das Gebäude ist funktional, energieoptimiert und vereint Tradition mit zeitgemäßen, modernen Formen.
07Zeitgeschichtemuseum und KZ-Gedenkstätte, Ebensee
Kirchengasse 5, 4802 Ebensee, A Bernhard Denkinger "Erinnerungskultur"
In Mitten des Salzkammergutes, dieser von der Tourismuswerbung gleichermaßen idealisierten wie strapazierten Landschaft, stellt sich ein Ort der eigenen Vergangenheit. Ein Zeitgeschichtemuseum und eine Gedenkstätte erinnern an die bewegte politische Geschichte des Salzkammerguts zwischen 1918 und 1955 - auch im Kontext der größeren, gesamtstaatlichen Zusammenhänge. Das Museum im ehemaligen Schulgebäude widmet sich auf mehreren Ebenen der Vergangenheit: Fotos, Dokumente, Zeitungsausschnitte (auf Glas kaschiert) überlagern in sparsamer, aber wirkmächtiger Ausstellungsdidaktik Erläuterungen, Kommentare, Bildunterschriften (auf roh belassenen Eternittafeln). Die Ausstellung im nahen, ehemaligen KZ-Stollen 5 erläutert verhalten dieses im doppelten Sinn "negative" Bauwerk als Denkmal des Unrechts.